HRV und chronische Stressbelastung

Diagnostik, Prävention und Therapie

Im Rahmen der ärztlichen Tätigkeit erlangt die Prävention von Stresserkrankungen und „Burnout“ immer größere Bedeutung.

Normaler Altersgang, Erkrankungen und chronische Stressbelastung führen zu funktionellen und strukturellen Veränderungen des Vegetativums und des Hormonsystems. Die nichtinvasive vegetative Funktionsdiagnostik mittels Herzratenvariabilität (HRV) und die Bestimmung von Hormon- und Botenstoffdefiziten ermöglichen eine gezielte Diagnostik und eine individuelle präventive und therapeutische Strategie. Problematisch sind chronische Stressbelastungen, da Erholungsphasen nach Alarmreizen wegfallen oder nur unzureichend stattfinden. Alarmreize sind heutzutage nicht mehr natürliche Feinde sondern psychosoziale Einflüsse.

Dies führt langfristig zu Botenstoffdefiziten mit unterschiedlichen Symptomen, je nach verbleibendem „Botenstoffmix“ dominieren depressive Verstimmung, Angstzustände oder Aggressivität. Die Stressspirale verläuft über längerfristige Belastung mit Müdigkeit und chronischem Überlastungssyndrom samt reduzierter Erholungsfähigkeit. Botenstoffdefizite sind die Folge einer längerfristigen Fehlbelastung. Ein Burnout-Syndrom bedeutet letztlich den vollständigen Verlust an Regulationsfähigkeit, die Nebennierenfunktion wird insuffizient.

Burnout

Derzeit existiert keine einheitliche Definition von Burnout. In den Niederlanden haben sich 2011 drei Dachverbände von Ärzten und Psychologen nach sehr gründlichen Vorarbeiten auf eine Definition von Fehlbelastung und Burnout geeinigt, welche für die Praxis einsetzbar erscheint. Wir sprechen von Burnout, wenn alle drei untenstehenden Kriterien erfüllt sind.

  1. Es handelt sich um Fehlbelastung.
  2. Die Beschwerden dauern seit mehr als sechs Monaten an.
  3. Gefühle von Müdigkeit und Erschöpfung stehen deutlich im Vordergrund.

In der Differentialdiagnostik erfolgt eine Orientierung am Symptom „Erschöpfung“. Im Rahmen eines Burnout-Syndroms treten auch immer Schlafstörungen auf, die durch Verminderung der Tiefschlafphasen zugunsten von Traumschlafphasen und Schlaffragmentierung gekennzeichnet sind. Oft ist es in der Praxis sehr schwierig, Abgrenzungen zwischen Stress- und Menopause-/Andropausesyndromen zu treffen. Östrogen- und Progesteron sind zentral wirksame Substanzen, deren Defizit einen Beitrag zu Schlafstörungen und Ängstlichkeit leisten. Chronische Stressbelastung scheint nicht nur zu einer vorzeitigen Alterung der Regulationsfähigkeit des Vegetativums zu führen, sondern auch oft zu vorzeitigem Eintreten von Meno- und Andropause.